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Wespen alternativ
bekämpfen


1 Fliege transportiert
5Mio. Keimlinge

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iGu, Fangreflektor und Nippan sind Marken der Firma iGu Trust, Neuseeland

 
 
 

                                                              
 
 

Neben der Belästigung durch Stich (Mücken, Wespen, Stechfliegen) oder blossen Anflug und Hautkontakt (Stubenfliegen) können Fluginsekten pathogene Mikroorganismen direkt auf Menschen, Haus- und Nutztiere sowie Nutzpflanzen übertragen. Die damit mögliche Schädigung kann auch indirekt verursacht werden über die Verkeimung von Nahrungsmitteln und Gebrauchsgegenständen.

(Auszug aus „Der praktische Schädlingsbekämpfer“ 9/92 verfasst von Dr. Manfred Fuchs, Koblenz)

Die Grosse Stubenfliege (Musca domestica), die Stallfliege (Musca stabulans) wie auch Stuhl- und Aas-besuchende Fleischfliegen (Sarcophaga spec.), Goldfliegen (Lucilia spec.), Glanzfliegen (Phormia spec.) sowie die Schmeissfliegen (Calliphora spec.) gelten als besonders wirkungsvolle Vektoren.

Erreger-Übertragung
Die Verschleppung mikrobieller Erreger ist bei Fliegen zwangsläufig, wobei pro Fliege bis zu fünf Millionen Keime transportiert werden können, darunter so wichtige Erreger wie die von Typhus, Cholera, Ruhr, Kinderlähmung, Lungenentzündung, Maul- und Klauenseuche. Auf geeignetem Substrat vermehren sich Keime sehr rasch. So lässt sich mit Hilfe eines Nährbodens (Blutagar) leicht nachweisen, dass zum Beispiel eine Grosse Stubenfliege eine bakterielle Fussspur zieht.

Die Art der Nahrungsaufnahme einer Stubenfliege fördert die Übertragung von Mikroorganismen gleich in mehrfacher Weise:

1) Durch Herumlaufen auf der Nahrungsoberfläche erfolgt eine “fakultativ taktile” Keimübertragung wie beschrieben.

2) Stubenfliegen wie auch andere Fliegenarten mit einem Tupfrüssel können keine festen Stoffe aufnehmen. Ihr Rüssel sezerniert Verdauungssäfte auf die Nahrung, die eine Verflüssigung und partielle extrakorporale Verdauung besorgen. Diese Nährlösung wird dann aufgetupft. Abbildung 2 stellt den Vorgang schematisch dar.

Praktisch gleichzeitig wird ein Kottröpfchen abgegeben, wobei Keime aus dem Fliegendarm freigesetzt werden. Diesen Übertragungsmodus nennt man “fakultativ exkretorisch”.
Ist ein Nahrungsmittel feucht und eiweisshaltig, wird es zudem zur Eiablage benutzt. Eine grosse Stubenfliege legt etwa 2000 Eier. Bei geeigneter Temperatur schlüpfen die Maden binnen Stunden.

Die zahlenmässige Minderung schädlicher Fluginsekten war daher immer schon herausragendes Ziel menschlicher Bemühungen.

Es gehört zum allgemeinen Erfahrungsgut, dass Insekten auf Lichtquellen zufliegen. Jeder kann es an Sommerabenden beobachten. Phototrope Grundstimmung vorausgesetzt, fliegen nachtaktive Insekten jegliche Lichtquellen an, offenes Feuer (Kerzen, Öl-, Gaslampen) und elektrisches Licht jeder für ein Insektenauge wahrnehmbaren spektralen Zusammensetzung. Tagflieger tun dies nicht in gleichem Ausmass. Sie werden stärker angelockt, wenn die Lichtquelle Anteile an langwelligem UV-A im Bereich 365 nm abstrahlt. Während für Nachtflieger jede sichtbare Lichtquelle freien Flugraum bedeutet, muss der sich im Licht bewegende Tagflieger ein spezifischeres Signal für freien Flugraum erhalten. Dies eben ist langwelliges UV, welches nur direkt von der Sonne oder als Globalstrahlung aus dem unbedeckten Himmel kommen kann. Viele Fluginsekten haben eine spezifische Anpassung entwickelt: Der UV-empfindliche Rezeptor im Facettenauge zeigt bei 365 nm ein Absorptionsmaximum.

Stubenfliege
Abb.1: Schematische Darstellung einer Stubenfliege beim Auftupfen eines
verflüssigten und vorverdauten Nahrungspartikels.

 

UV-A Lichtfallen
Erkenntnisse solcher Art werden seit Jahrzehnten zur Konstruktion von UV-A Lichtfallen eingesetzt. Als Lichtquelle dienen Leuchtstoffröhren von 4 bis 40 Watt Leistung, die ein blauweisses Licht abstrahlen, welches aber stets eine gewisse Lichtmenge im Strahlungsbereich um 365 nm enthält.

Befindet sich ein Insekt in Flugstimmung, so wird dieses Licht einen “Anflugzwang” ausüben, da hier die Basisinformation “Freier Flugraum” geliefert wird. Dabei ist eine Differenzierung zwischen sogennanten schädlichen, indifferenten und nützlichen Spezies nicht möglich.

Es darf daher nicht verwundern, dass Fanggeräte, die dieses Anlockprinzip benutzen, im Freiland nicht eingesetzt werden dürfen. Ihre Anwendung muss auf Innenräume beschränkt bleiben. Der Einsatz ist sinnvoll und notwendig in Räumen mit hohem Hygieneanspruch, wie in Lebensmittel-herstellenden und –verarbeitenden Betrieben, in allen Reinraumbereichen der chemisch-pharmazeutischen Industrie, in entsprechenden Forschungseinrichtungen und in Krankenhäusern; darüber hinaus in der Tier- und Versuchstierhaltung-, aber auch in Hotels und nicht zuletzt im privaten Wohnbereich, sobald Fluginsekten auch nur in geringstem Masse störend auftreten.

In umfangreichen Versuchen, die hier seit 1974 durchgeführt werden und über deren Ergebnisse bereits mehrfach berichtet wurde (Fuchs 1975, Mainhart 1980, Fuchs 1992), hat sich herausgestellt, dass alle Fallen mit steigendem UV-A Angebot fängiger werden. Eine Obergrenze wurde bisher nicht erkennbar. UV-reflektierende Flächen hinter der Leuchtstoffröhre erhöhen ebenfalls das UV-A Angebot und damit die Fängigkeit.

Dem anfliegenden Insekt können zusätzliche Orientierungshilfen geboten werden. So erhöht sich der Fang, wenn das Gehäuse des jeweiligen Gerätes einen harten Kontrast gegen Lichtquelle und Hintergrund bildet. So bewirkt unter anderem die UV-A abgebende Leuchtstoffröhre mit ihrem 50-60-Hertz-Flackern einen “Leuchtturmeffekt”. Die Facettenaugen eines Fluginsekts besitzen nämlich eine sehr viel höhere Verschmelzungsfrequenz als etwa das menschliche Auge. Während für uns eine Leuchtstoffröhre gleichmässig Licht abgibt, schaltet sie für ein solches Insekt ständig an und ab.

Fangprinzipien
In Verbindung mit der UV-A Anlockung finden zwei Fang- oder Abtötungsprinzipien Anwendung:

1) In unmittelbarer Nähe der UV-Röhre(n) befinden sich Hochspannungsgitter oder eine Glatte/Platten-Kombination, die einfliegende Insekten durch einen Kurzschlussfunken töten. Aus Sicherheitsgründen ist die Stromstärke gering (bis 15 mA), die Spannung liegt meist bei einigen tausend Volt.

Moderne Grossgeräte dieser Art sind ausserordentlich fängig, erfüllen jedoch Hygieneforderungen nicht immer. Im günstigsten Fall wird das Insekt sofort getötet, fällt senkrecht in eine Auffangschale am Geräteboden und ist damit zunächst hygienisch beseitigt. Luftzug kann jedoch tote Insekten oder Insektenteile aus der Auffangschale am Geräteboden wehen, eine Stubenfliege wiegt etwa ein Milligramm.

Sehr häufig wird aber das Insekt durch den Kurzschlussfunken zerrissen, Teile werden aus dem Gerät hinausgeschleudert und kontaminieren je nach Raumnutzung Flächen, Gegenstände und schlimmstenfalls Lebensmittel – gesetzliche Hygieneforderungen werden nicht eingehalten.

Auch wenn es nicht den Anschein weckt, ist es hygienisch noch am unbedenklichsten, wenn ein Insekt, meist ein grösseres wie Wespe oder Schmeissfliege, am Elektrogitter hängen bleibt und bis zur Trockne im Lichtbogen verschmort. Dabei werden auch alle Keime vernichtet. Nun treten aber andere Nachteile auf: Während des Schmorens bricht die Hochspannung zusammen, einfliegende Insekten werden nicht getötet. Unangenehmer Brandgeruch tritt auf. Die Dämpfe schwärzen die Hochspannungsgitter, damit sinken UV-Reflexion und Anlockwirkung. – In explosionsgefährdeten Räumen sind Elektrofallen grundsätzlich nicht verwendbar.

2) Ein weiteres, erst seit wenigen Jahren in Verbindung mit UV-Fallen eingesetztes Prinzip der Abtötung bedient sich beleimter Flächen, die hinter oder neben den UV-A Lampen halbrund positioniert sind. Die klare Haftsubstanz, aufgetragen auf dünnem Karton, wir durch Abziehen einer Schutzfolien freigelegt. Sie reflektiert UV-A, bleibt sehr lange klebrig und hält anfliegende Insekten bis zur Grösse einer Hornisse sicher und hygienisch fest. (Normale Leime verlieren bei UV-A Bestrahlung rasch ihre Klebrigkeit). Dieses Fangprinzip ist daher unter dem Aspekt der Hygiene unbedingt vorzuziehen.

Das kleinste derzeit im Weltmarkt erhältliche Gerät, das diese Kombination ohne Elektrofanggitter nutzt, heisst FANGREFLEKTOR iGu FR 3003 vom Schweizer Hersteller iGu (Fuchs 1992). Die Fängigkeit gegenüber der grossen Stubenfliege beträgt bei Einbringen von 200 Stubenfliegen in einen 40 m3 grossen Raum 100 % in 4 Stunden, bei einer LT50 (= Zeit, nach der 50 % der Fliegen gefangen sind) von 43 Minuten. Eine Leistung, die bei Hochspannungsgitter-Geräten erst bei grösseren und erheblich teureren Industriegeräten erreicht wird. Die leicht austauschbare Fangfolie des Gerätes ist 890 cm2 gross, die Leistung der U-förmig gebogenen UV-A abgebenden Röhre wird mit 10 Watt angegeben.

Die grössten der gegenwärtig verfügbaren Geräte dieser Konzeption sind die der FANGREFLEKTOR-Serie FR 8008. Der iGu FR 8008 besitzt 2 Folienträger mit insgesamt 4800 cm2 und arbeitet mit zwei 60 cm/20 Watt Röhren. Zwei weitere Ausführungen werden angeboten, einmal mit geschützten UV-A Röhren von 2 x 40 Watt und in einer explosionsgeschützten Ausführung mit wiederum 2 x 20 Watt Lampenleistung.

Die FR 8008 fängt 200 Stubenfliegen im gleichen Raum in 1 Std. 30 Min., die LT50 wird bereits nach 16 Minuten erreicht.

Grössenvergleich
Dieses Bild zeigt die beiden Fallen im 
Grössenvergleich und die folgende
Grafik die mittlere Fangleistung:


FR8008  o---o 200 Fliegen im Raum
FR8008  o---o   20 Fliegen im Raum
FR3003  x---x 200 Fliegen im Raum
FR3003  x---x   20 Fliegen im Raum

Es ist interessant, dass bezogen auf die Grösse der Fallen die Fangzeiten offenbar nicht von der Anzahl der Fliegen im Versuch abhängt.

Befinden sich 20 Fliegen im Raum, so werden diese nicht in kürzerer Zeit eliminiert als 200 Fliegen. Bei gleicher Raumgrösse steigt mit dem UV-Angebot die Flugintension der Fliegen.

Es ist auch einleuchtend, dass mit höherem UV-Angebot die Anlockdistanz zunimmt. Offenbar ist aber auch in homogenen Fliegenpopulationen von Musca domestica die Intension, freien Flugraum zu suchen, statistisch kongruent. Daraus muss gefolgert werden, dass in Räumen mit hohem hygienischen Anspruch auch bei geringem Fliegenbesatz nur grosse Fallen eingesetzt werden sollten.

Die verbreitete Ansicht, bei geringem Befallsdruck genüge eine kleine Falle, ist falsch. Vielmehr muss vor der Empfehlung einer Fallengrösse (= Festsetzung der Fangkapazität) gefragt werden, welche Anzahl Fliegen oder andere Fluginsekten ein Anwender wie lange in einem Raum tolerieren will.


Literatur
- Fuchs, M.E.A.: Der Einsatz des elektrischen Insektentöters „Vollintex“ in der Versuchstierhaltung. D. prakt. Schädlingsbek. 27 (1975) 153-154.

- Meinhart, A.: 1980; Fluginsektenfallen nach dem Prinzip der UV-Anlockung - Möglichkeiten zur Steigerung der Fängigkeit gegenüber Musca domestica. Diplomarbeit der EWH Rheinland-Pfalz, Abt. Koblenz

Fuchs, M.E.A.: Wespen alternativ bekämpfen. D. prakt. Schädlingsbek. 44 (1992) 196-198.

Anschrift des Verfassers:
RD Dr. M.E.A. Fuchs, Zentrales Institut der Bundeswehr Koblenz - Ernst-Rodenwald-Institut - Medizinische Zoologie, Postf. 73 40, 56065 Koblenz